Raum – Bodenanker – Übersicht – Karten – Coaching

Kennt Ihr es, dass Ihr vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr seht. Oder anders formuliert: Immer wenn Ihr ein Problem angehen wollt, fallen Euch so viele Dinge ein, dass Ihr schon nach kurzer Zeit die Übersicht verloren habt?

Typisch für verstrickte Probleme ist es, dass uns immer wieder ein neuer Aspekt einfällt, der bedacht werden muss. In unserer Innenwelt ist eins mit dem anderen verbunden, es ist ein System, und das Problem hat unendliche Facetten. Manchmal denke ich, dass es auch ein Schutz ist, um ein wesentliches Problem nicht anzugehen.

richtig entscheiden

Was kann man da tun?

Als Beispiel möchte ich gerne aus einem Coaching mit Herrn K. berichten. Herr K. kam zu mir, da er nicht wusste, wie er sich in seinem Beruf neu ausrichten solle. Er war selbstständig und es stand ein Wechsel in der Ausrichtung seiner Firma an. Das schien zu Beginn auf einen „einfachen Zielfindungsprozess“ hinaus zulaufen. Eine dankbare Aufgabe für einen Coach. Nun stellte sich schon sehr schnell heraus, dass bei dem Ziel verschiedene Dinge beachten werden mussten (Mitarbeiter, Umsatz, Zukunftsfähigkeit, Expertenwissen, alte Kunden, neue Herausforderung, …).

Das war dann der Punkt, an dem ich angefangen habe mit zuschreiben. Wer mich kennt, weiß, dass ich das selten mache. Selbst ich fing aber an die Übersicht zu verlieren und Herrn K. erging es auch so.

Nachdem wir eine ordentliche Sammlung von bedenkenswerten Faktoren zu Papier gebracht hatten, dachte ich, dass wir nun in die Entscheidungsfindung gehen könnten. Das lief auch ganz gut, bis wir zum Öko Check kamen.

An dieser Stelle kam auf einmal zusätzlich seine Familie ins Spiel und dort gab es auch einiges zu beachten (Freizeit, geregelte Arbeitszeiten, junger Nachwuchs, Hobbies, Frau, …). Nun hatte Herr K. endgültig die Übersicht und damit den Bezug zu einer möglichen Entscheidung verloren. Sobald ein Punkt in der Skala der Wichtigkeit an Bedeutung gewonnen hatte, hat ein anderer Punkt sich gemeldet und wollte den 1. Platz einnehmen.

Es war an der Zeit NLP Techniken anders anzuwenden. Wir haben, wie gewohnt, einen Platz im Raum für Herrn K. (assoziiert) und einen Metaplatz (dissoziiert) eingerichtet. Von dort aus habe ich Herrn K. alle Begriffe auf Karten schreiben und im Raum auslegen lassen. Jede Karte war ein eigener Bodenanker. So entstand eins ständiges Spiel zwischen den Plätzen im Raum. „Freizeit“ wollte nicht neben der „Neue Herausforderung“ liegen. Die beiden konnten nicht so gut miteinander. Immer wieder wurden neue Karten geschrieben und Herr K. betrachtete die Kartensammlung von vielen Plätzen im Raum aus. Dabei rief er irgendwann: „Wo bin ich denn?“ Er hatte seinen Platz (assoziiert) verloren. Um den besser kenntlich zu machen, habe ich ihn eingeladen seinen Platz mit einem Seil zu umranden. Dadurch entstanden zwei Dinge. Zum einen war klar wo Herr K. seine Homebase hatte und zum anderen war sein Platz nun deutlich von den ganzen Gedanken / Bodenankern abgegrenzt. Es war wunderbar anzusehen, wie Herr K. seinen Platz betrat oder verließ. Als wenn er eine 30 cm hohe Mauer übersteigen musste.

Das war der entscheidende Schritt. Nun konnte Herr K. zwischen den ganzen Plätzen im Raum wechseln und eine Ordnung bzw. Rangfolge aufbauen. Es gab mehrere Ringe von Bodenankern um seinen assoziierten Platz. Je näher, um so wichtiger waren die Punkte für ihn. Dann gab es verschiedene Bereiche (Familie, Beruf alt, Beruf neu und Freizeit), die nun gut voneinander getrennt waren. Nach und nach entfernte Herr K. auch Karten aus dem Feld. Er konnte, durch die Verteilung im Raum, erkennen, dass diese Punkte mit seiner aktuellen Problematik nichts zu tun hatten. Eine Erkenntnis die ihm im Sitzen, wenn überhaupt, erst viel später klar geworden wäre.

Nach ca. 1 ½ h war es dann soweit. Herr K. konnte eine Entscheidung treffen. Bei der Betrachtung der vielen Punkte, beim Gang durch seine eigenen Gedanken, wurde ihm klar: „Ich will mit meiner Familie einen langen Urlaub machen.“ Der Öko Check dazu verlief zu seiner vollen Zufriedenheit. Es gab noch ein paar Kleinigkeiten zu klären, aber es blieb dabei. Er fuhr zufrieden nach Hause und hat mit Frau und Kindern einen Urlaub geplant und gemacht.

Ein Überraschendes Ende für alle Beteiligten. Wie kann das passieren?

  • Durch die Verlagerung der ganzen Gedanken aus dem Kopf heraus in den Raum konnte Herr K. seine Gedanken auf den Karten „sehen“
  • Einzeln Karten besuchen und in die Wichtigkeit hinein spüren
  • Die Abgrenzung (Seil) seiner Position hat sein Ich-Gefühl gestärkt und zu sich selber finden lassen. Er war beschützt
  • Entfernte Gedanken waren noch im Raum aber nicht mehr im Prozess
  • Durch die Bewegung im Raum entstand auch Bewegung in Herrn K.
  • Er konnte seine Landkarte im Raum legen und so sichtbar werden lassen
  • Gaaaanz viele Metaebenen zwischen den Karten, d.h. klare Abgrenzung der ganzen vielen Gedanken

Im NLP gehören Körper, Raum, Bewusstsein und Unterbewusstsein immer untrennbar zusammen. Oft reicht es aus, dass wir mit unserem Gegenüber im Sitzen arbeiten. Manchmal macht es Sinn aufzustehen und klarere Positionen im Raum zu schaffen. Wir machen das bei der Walt-Disney-Methode, beim Reimprinting und beim Anker verschmelzen. Doch es kann auch ohne die Anwendung eines festen Formates sinnvoll sein.

Dazu möchte ich gerne einladen. Probiert häufiger aus durch die Mitnahme des Körpers im Raum Euren Klienten bei seinen Prozessen einfacher spüren zu lassen, was in ihm geschieht. Das Ganze kann man auch sehr gut mit sich selber machen.

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